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T e x t p r o b e n
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• Kurzprosa "Herr Kassian entlässt die Zeit" (Auszug)
Herr Kassian, der Uhrmacher, gerade sechzig und pünktlich zum Ehrentag von seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau verlassen worden, hatte es plötzlich satt, die Tage in seinem Geschäft zu sitzen, auf seine unzähligen Uhren zu starren und tatenlos zuzusehen, wie sich die Zeit davonstahl - man möchte meinen, sie hätte etwas verbrochen, dachte Herr Kassian misstrauisch und seltsam berührt und er belauerte die Zeiger seiner wertvollen Chronometer wie man Diebe belauert, die mit ihrer Beute das Weite suchen wollen. (...) Und dann griff dieser unsägliche Ekel nach ihm, von dem er fast im selben Augenblick wusste, dass er etwas mit seinen Uhren zu tun hatte, deren Ticken ihm das ganze Leben in einzelne, einförmige Sekunden zerhackt hatte, in hörbare Gleichförmigkeit, eine sture Abfolge von Tönen und Intervallen, der sich selbst das Atmen und selbst sein Herzschlag untergeordnet hatten. Und dann beschloss er, dass Schluss sein müsse mit dieser taktschlagenden Ereignislosigkeit und dass er sich das zurückholen würde, was ihm seine Uhren geraubt hatten. (...)

[Der ganze Text ist erschienen in: Keine Delikatessen - Bühne für SchriftBilder" (Wien) Nr. 10 (November 2007), S. 23 - 24.]


• Kurzprosa "Der Riese stirbt oder: Zornige Gedanken beim Träumen über das Fällen des letzten Baumes im Wald" (Ausschnitt)

(...) Vertrocknete Rinde, bröckelnd und morsch, nässende Risse am wankenden Stamm, und unten am Fuß, dort, wo der Spalthammer die Fallkerbe hineingetrieben hat: eine klaffende Wunde, wie das aufgerissene Maul eines verendenden Fischs, dem man eben den Widerhaken aus dem Schlund gerissen hat. Und dann – unausweichlich – die Schneide der Fällaxt, die zischend ins Mark des Baumes fährt. Der wehrt sich wie ein schluchzendes Kind am Straßenrand. Höchstens. Und dann neigt sich der Riese, wie in trauriger, nein: wie in lächerlicher Demut, ächzt, wie der brüchige Mast eines vor Urzeiten gestrandeten Seglers, der noch immer auf seinen endgültigen Untergang wartet – oder auf ein letztes Aufbäumen, das doch sein erstes wäre. Und dann das Wimmern vor dem Fall und das Knirschen und Bersten. Und dann der Aufprall, dumpf und matt, ein kurzes, verschämtes Stöhnen noch und dann Ruhe, einfach nur Ruhe, sensationslose Stille, abrupte Ereignislosigkeit – ein enttäuschendes Finale, letztlich die Erwartungen wieder einmal zu hoch gesteckt. Ein Japsen mehr hätte es schon sein dürfen, raunt es aus der Menge, die im Hintergrund ausgeharrt hat wie ein leeres Versprechen – ein Fauchen, ein Hecheln oder vielleicht ein Winseln. Hier stirbt der letzte Baum im Wald und es gibt nicht einmal ein Winseln als Zugabe! Der Delinquent hat seinen Tod auf die ein oder andere Weise zu kommentieren, das gehört sich so, der Mensch spricht letzte Worte, der Baum könnte wenigstens etwas ausgiebiger winseln. Man steht da und ist versucht einzustimmen – in den Chor der Unzufriedenen, jener, die glauben, dass getan wurde, was getan werden musste: Bäume wachsen schließlich nicht in den Himmel, dort haben sie auch nichts, rein gar nichts zu suchen. (...)

[Der ganze Text ist erschienen in: um[laut]. junge kunst. politische kunst. mindestens (Köln), Heft 4 - April/Mai/Juni 2009, S. 32 f.]


• Kurzprosa "Das Ende der Lustbarkeiten" (Auszug)

Meine Angst, nicht mehr begehrt zu werden, erwies sich erst einmal als unbegründet. Schon zwei Tage nach meinem fünfzigsten Geburtstag erklärte sich Miriam dazu bereit, mit mir zu schlafen. Ich hatte damals nicht den Eindruck, dass es sie große Überwindung kostete. Sicher, sie war nicht gerade mit überschwänglicher Begeisterung bei der Sache. Ihr rhythmisches Stöhnen erinnerte allzu penetrant an die schmerzend-eintönigen Laute einer alten, zerkratzten Schallplatte, bei der die Nadel immer an derselben Stelle hängen bleibt. Und als sie auf mir saß, vibrierte ihr Körper, als hätte sie versehentlich in eine Steckdose gegriffen. Aber vielleicht war das so ihre Art. Ich kannte sie erst ein paar Stunden und durfte mir noch kein endgültiges Urteil anmaßen. Selbstverständlich enthielt ich mich jeder kritischen Bemerkung. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, empfindlich oder gar wählerisch zu sein. Es kam immerhin nicht mehr häufig vor, dass ich in meiner Lieblings-Bar eine Frau für die Nacht fand, noch dazu eine, die wesentlich jünger war als ich. Die Zeiten erotischer Selbstverständlichkeiten waren vorbei. Endgültig. Plötzlich hieß es: bar jeder Lust statt Lust in jeder Bar. (...)

[Der ganze Text ist erschienen in: BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails. Hrsg. v. Sarah Ines Struck. München: Storia Verlag 2007, S. 122 - 125.]


• Essay "Superstars, Bildschirmhelden und Next Top Models - oder: Die Casting-Show im Zeitalter bedingungsloser ästhetischer Reduktionsbereitschaft" (Auszug)

Plötzlich war ich mittendrin – in den Hohlräumen des Lebens. Wie das passieren konnte, ist mir immer noch nicht ganz klar. Es könnte aber so gewesen sein: Eines Abends, vor gar nicht langer Zeit, hat mich die Langeweile angefallen. Die ist, meistens, eine lästige Mücke, die sich nur widerwillig verscheuchen lässt und hin und wieder ihre Stiche setzt, ein plätschernder Brunnen, der einen schläfrig macht und im Takt der Dumpfheit sich ergießt. Wie gesagt: meistens. Manchmal aber wird sie zur bissigen Hyäne. Sie schnappt dann nach mir, die Langeweile, wie toll, wie ausgehungert, mit der Beharrlichkeit, mit der Wut, mit der Giftigkeit eines Belagerten, der nichts sehnlicher wünscht, als den Spieß umzudrehen und selber auszuhungern. An diesem Abend war ihr Würgegriff so energisch, so unbändig, so beängstigend, von geradezu elementarer Zerstörungsgewalt, dass ich nicht, wie sonst, wenn es Ernst wird, zur Rotweinflasche, sondern – zur Fernbedienung des Fernsehers gegriffen habe, eine haptische Fehlleistung, die sich rächen sollte. (...)

[Der ganze Text ist erschienen in: Driesch. Zeitschrift für Literatur & Kultur (Drösing / Niederösterreich) Nr. 18 / Juni 2014. Themenheft "Schwelgen". Hrsg. von Haimo L. Handl, S. 6 - 10.]